Warum in Kreisläufen denken?

Um die Notwendigkeit zu verdeutlichen, sollten wir einen Blick auf die derzeitige Situation werfen. Die meisten Produkte und somit auch Materialien landen heutzutage über kurz oder lang im Müll, also auf Deponien oder in der Müllverbrennungsanlage. Unser gesamter Abfall durchläuft einen „Linearen Weg“, der auch gerne mit den Begriffen Take – Make – Use – Waste beschrieben wird.

Take

Für die Herstellung unserer alltäglichen Produkte und Konsumgüter werden weltweit Rohstoffe abgebaut. Sie sind unverzichtbar für unsere Gesellschaft und ihre Bedeutung nimmt stetig zu. Kommunikation – Nahrung – Unterkunft – Transport; überall werden Ressourcen benötigt. Aufgrund der wachsenden Bevölkerung und der wirtschaftlichen Entwicklung steigt die Nachfrage. Bislang konnte das Angebot den Bedarf an Materialien größtenteils decken. Doch in Zukunft gilt es zahlreiche Herausforderungen im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit von Ressourcen zu bewältigen.

Viele unserer Rohstoffe sind endlich, das bedeutet, dass sie eines Tages nicht mehr natürlich vorkommen werden. Außerdem ist schon heute der Aufwand, an diese Materialien zu gelangen, sehr viel höher als noch vor einigen Jahren und Jahrzehnten. Der für die Gewinnung erforderliche Energieaufwand ist immens und wird in Zukunft noch steigen und somit auch mit sehr viel höheren Kosten verbunden sein.

Durch neue Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse wird der Mensch in Zukunft weiterhin neue Abbaugebiete erschließen. Mithilfe neu entwickelter Fördermaßnahmen wird es ihm gelingen, auch an die letzten Rohstoffreserven auf unserem Planeten zu gelangen, bis er den letzten Rest in Händen hält. Leider geschieht dies in den meisten Fällen ohne Rücksicht auf die Menschen und die Umwelt vorort. So nimmt zum einen die Natur erhebliche und irreversible Schäden, zum anderen wird die Gewinnung in vielen Ländern unter unfairen und unsozialen Arbeitsbedingungen durchgeführt.

Make

Die anschließende Herstellung unserer Konsumgüter kann schon für ein einzelnes Produkt allein, globale Ausmaße annehmen. Die benötigten Rohstoffe werden oft rund um den Globus von einem Standort zum nächsten transportiert, bis sie an der eigentlichen Produktionsstätte ankommen und verarbeitet werden können. Dort gibt es oft eine große Diskrepanz zwischen den vorherrschenden Arbeitsbedingungen und unseren Vorstellungen davon, wie und unter welchen Bedingungen und mit welchen Richtlinien produziert werden sollte!

Ein weiteres großes Problem sind die schadhaften Inhalts- und Zusatzstoffe, die in der Produktion zum Einsatz kommen. Sie stellen sowohl ein großes Gesundheitsrisiko für die Menschen in den Produktionsstätten dar, als auch eine große Gefahr für die Umwelt in Form von Abwasser- und Luftverschmutzung.

Use

Für die meisten Menschen ist der Weg, den ein Produkt durchlaufen hat, bis es letztlich im Verkauf landet zum größten Teil „unsichtbar“. Es bedarf doch einer erheblichen aktiven Hinterfragung und Recherche, um überhaupt an Informationen über die Herstellung, die Materialgewinnung oder auch Details zum Thema Inhalts- und Schadstoffe zu gelangen!

Aber nicht nur die fehlende Transparenz ist ein Problem. Auch die Art wie wir in der westlichen Welt mit Konsum und dem Kauf von neuen Produkten umgehen, ist mehr als fragwürdig. Alles ist zu jederzeit verfügbar und dann bitte so günstig wie möglich! Eine langfristige Nutzung ist dabei oft weder vom Konsumenten gewünscht, noch sind die Produkte darauf ausgelegt.

Die Bedienung schnelllebiger Trends, zum Beispiel in der Mode („Fastfashion“), führt zum Einsatz günstiger und häufig unzureichender Materialien oder auch zu einer qualitativ minderwertigen Fertigung, um Produktionskosten so gering wie möglich zu halten. Diese Faktoren verkürzen den Lebenszyklus unserer Konsumgüter erheblich.

Eine richtige Wertschätzung ist oft gar nicht vorhanden. Wie auch, wenn eine Reparatur oft teurer ist, als die Anschaffung eines neuen Produkts! Der Gang zur Mülltonne und somit die Entsorgung von bestehenden Produkten und Materialien ist so zu einer Selbstverständlichkeit geworden!

Waste

Die Müllberge, die täglich produziert werden, sind beachtlich. In den meisten Fällen wird noch ein gewisser Wert aus der Verbrennung dieses Abfalls gewonnen. Doch die meisten Materialien und auch die Energie, die während der Gewinnung und Herstellung in die Produkte gesteckt wurde, gehen zu 100% verloren!

Wir haben uns zu einer beispiellosen „Wegwerfgesellschaft“ entwickelt, die nach neuen, vermeintlich besseren Produkten strebt! Etwas wertzuschätzen, Dinge lange zu gebrauchen und zu nutzen, statt sie schnell zu verbrauchen, gehört derzeit nicht zu unseren Hauptanliegen!

Doch zum Glück gibt es seit einigen Jahren einige Gegenbewegungen! Reuse, Repair, Recycle, Sharing Economy, Circular Economy, Cradle to Cradle! Alles Begriffe und Philosophien, die den Gedanken des „Im Kreislauf bleiben“ beinhalten und leben!